Im Sinne meines Lebens?

Im Sinne meines Lebens.

(Lesezeit 5min.)

Copy Rights Hans Peter Adamski

Copy Rights Hans Peter Adamski

Da ist sie ja endlich wieder! Lange habe ich die so viele Stunden füllende Frage nicht mehr gehört: „Kennst Du eigentlich den Sinn des Lebens?“. Stille. Der Blick meines Gegenübers tastet meine Reaktion ab. Wer kann schon diese Frage beantworten, vermitteln mir die leicht zusammengekniffenen Augen. Mein Gegenüber seufzt. Ich bleibe weiterhin still. Dann setze ich an: „Ja, ich kennen meinen Sinn des Lebens. Ich gehe sogar ein Stück weiter. Ich würde behaupten auch Deinen Sinn in diesem und jedem anderen Leben zu kennen.“ Und dennoch, ich kann nur für mich schreiben und antworten und die Sinn suchenden einladen meinen Worten ein paar Augenblicke zu schenken.

Der Sinn des Lebens. Jahrhunderte lang hat man darüber geredet, gestritten, wir haben gesucht, in die Sterne gestarrt, meditiert, philosophiert und vieles mehr getan um herauszufinden für was, wenn und warum wir auf den Planeten gekommen sind. Den Sinn des Lebens zu finden oder zu beantworten, war ein so starker Drang, ein solches MUSS, ein gesellschaftlicher Trieb, dass sich die Menschheit aus-und leider auch auf- rüstete, um eben diesen zu finden. Den Sinn. Ganz ehrlich, ich kenne nur wenige Menschen die diesen gefunden hat. Und dabei ist es so einfach. Wir tragen den Sinn des Lebens mit uns. Wir tragen den Sinn in uns. Wir leben niemals, nicht eine kleine Sekunde des Tages ohne unseren Sinn.

Photo MVA

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Ab und an öffnen Menschen ihre Schatztruhen, setzen sich erleichtert auf den Allerwertesten und teilen mit, dass die innere Ruhe und der Sinn gefunden sei. Der Sinn ist dann weniger die Berufung als der Beruf, weniger der Lebensraum als ein Haus, es ist selten die Lebensreise, sondern der Erwerb des Autos. Dann folgen das sinnvolle Studium, das sinnvoll geplante Haus, ein neues Auto, eine gute geplante sinnvolle Familie, ein sinnvoll zur Familie passender Hund, die sinnvolle Altersvorsorge oder wer Unternehmer und Bitcoiner ist, für den gilt die endlose Fülle und das -sorry- oft sinnlose Wachstum. 

Viele, zu viele Menschen sehen den Sinn im oben genannten sinnvollen Plan und wundern sich, warum dieser in einem immer volleren Leben abhanden kommt. Schauen wir nur mal auf den Ozean von Coaches und Lebenstrainern, die in der Fülle des Lebens eine erworbene Million sehen und aus der goldenen Badewanne oder aus dem Bett heraus Kunden werben, denen sie die gleiche „Fülle“ versprechen!

Hab und Gut, materielles Denken und das liebe Geld, werden seit Jahrhunderten  angehäuft, um unseren Lebensinn zuzumüllen und damit jede Verbindung zum wirklichen Sinn zu betäuben. Sinn in der materiellen Form war nie da und wird auch in der Materie nicht wirklich zu finden sein. Ich möchte heute schreiben, dass - wer den Sinn des Lebens vehement und auf diesem Wege sucht, gleich zu Beginn der Suche den Weg verfehlt hat. Ich erlaube mir das zu schreiben, weil ich das schon als Kind dachte, später mehrfach miterlebte und selbst einige Wegkreuzungen und massive Umwege hinnehmen musste, bis ich verstand das Sinn sicher nicht im Hab und Gut besteht.


II.



Als Kind dachte ich etwas ganz einfaches. Ich dachte der Sinn des Lebens sei der, meine fünf Sinne zu nutzen. 

Foto: YVE Art

Foto: YVE Art

Legte ich mich spärlich bekleidet auf die Wiese, fühlte meine Haut das Gras, die Ameisen, die Bewegungen unter der Erde und den Wind über und auf mir. Der Wind brachte Düfte mit sich und manchmal konnte ich den Regen oder im Winter den Schnee, bereits Stunden vorher riechen und fühlen.

Mit geschlossenen Augen war mir, als rausche das Wasser des nahgelegenen Rotbachs durch mich hindurch. Hob ich meine ins Wasser getauchte Hand zum Himmel an, blitzten die Wasserperlen auf und die Sonne brach einen Teil ihrer Strahlen am Rand der schimmernden Haut. Mit leicht zusammengekniffenen, ruhenden Augen, breitete sich die weisse sichtbar werdende Energie der Wasserperlen, der Pflanzenkronen und der Welt um mich herum, aus. Mit ruhigem Blick konnte ich die Interaktion der Natur miteinander wahrnehmen, ich dufte ihr zuhören.

Um mich herum wuchs ein wahrer Supermarkt, ein Angebot des Wunders Natur. Den ganzen Tag naschte ich Nüsse, Beeren, Kräuter und je nach Jahreszeit ernteten wir Feldfrüchte oder verarbeiteten wirklich alle tierischen Produkte, bis das ganze Tier sinnvoll wieder in einen Kreislauf eines neuen Lebens überging. Fleisch war ein rares Thema, das wurde nur ab und zu und in geringen Mengen gegessen. 

Ich mochte das Fleisch selten essen, da ich alle Tiere kannte und eben auch mit diesen über mein Gehör, meine Hände, mein Gebaren oder die Beobachtung, kommunizierte. Hinter mir lief alles her. Der ganze Hof der Tiere, aber auch gern andere Kinder und Menschen. 


III.

Die Sinne unseres Lebens. 

MVA mit 4 Jahren…

MVA mit 4 Jahren…

Das großohrige, wundervolle, beschützende Ohr. Ich höre die Welt in all ihren Facetten. Geräusche und Töne retten mein Leben, mein Gehör schläft nie. Und da ich zu denen mit einem absoluten Gehör zählte, konnte ich der Wahrnehmung noch einen drauf setzen. Ich hörte die Flöhe husten und diese Fähigkeit verband sich mit der Intuition. D.h., ich stellte mir den sechsten und siebten Sinn schon früh zur Seite, doch dazu komme ich später.

Dann waren da meine Augen. Meine Augen führten mich durch den Tag und die Schönheit des Lichts. Ich sah den Himmel, die Natur, die Tiere und die Menschen. Ich sah die Städte und Länder. Ich sah und sah und sah und manchmal versuchte ich mich über die Erde zu setzen und diese von oben zu betrachten. Das war der Zusammenschluss von Auge, Gedanke, Erfahrung und meiner Intuition. Betrachtete ich die Dinge von oben, sah ich ihren Zusammenhang. Und dabei war ich doch nur ein Kind. In der Nacht sah ich die Sterne und lernte, dass der Tag eine vollkommen andere Aussage hatte als der Tag.

In der Nacht legte sich die halbe Welt in den Schlaf. Das Universum wurde lebendig und durch die dunkelblaue Nacht so wundervoll sichtbar. 

Ich lernte, dass der Mond und die Sterne, die Planeten, massiven Einfluss auf mich, meine Augen, meine Ohren, auf meine Erde und das Zusammenspiel aller Dinge hatten. 

Ich verstand meinen Weg zu finden, indem ich mir einen Spaß daraus machte, dem Verlauf der mir eingeprägten Sternenstraße zu folgen. Das war ein Spiel, aber es klappte perfekt und noch heute klappt diese Methode. 

Aus der Ferne betrachtet können wir die Dinge in ihrer Gesamtheit wahrnehmen.

Foto: MVA

Foto: MVA

Später drehte ich den Spiess um. In Alaska flog ich mit den Einheimischen, die kleine Flugzeuge wie ein Auto nutzen. Aus der Luft betrachtet ist die Erde ein logisches Geflecht von Hügeln, Flüssen, Bäumen und Wasseradern, die von der Evolution wohl konzipiert mit jedem Zentimeter einen großen zusammenhängenden Sinn erfüllen. Manchmal kam es mir so vor, als seien die Sternstraßen gleich den Wasseradern oder Strukturen der unter mir vorbei schwebenden Erde und dachte an das berühmte oben wie unten und unten wie oben… Es war garnicht schwer sich den Luftweg anhand dieser von oben betrachteten Landkarten zu merken und es war für die Piloten ein Spaß, mir die Leitung zu übergeben. Ich irrte mich nicht und fand den Weg stets zurück.

Meine Nase, dieser herrliche stets funktionierende Riechkolben, der wiederum mit meinem Mund und einem immensen Geflecht für das Hauptwunderwerk meines Atems, und meiner so gern genutzten Gesangstimme, sorgt. 

Schloss ich meine Augen und Ohren, ein beliebtes Spiel als ich klein war, folgte ich meiner Nase und konnte bekannte Wege anhand des Geruchs, ganz genau wie mein Hund Filou, durchaus finden. Hielt ich mir wiederum die Nase zu, konnte ich die Früchte im Garten meiner Großeltern nicht mehr unterscheiden. 

Foto MVA

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Brachte ich aber alles zusammen, meine Ohren, Augen, die Nase und den Geschmackssinn, eroberte ich den Obstgarten mit samt seiner Geschichte im Fluge.

Ich habe den Bäumen gerne vorgesungen. Der Kirschbaum im Obstgarten meines Großvaters kannte meine Tagebücher, meine Gesangsprüfung, meine Konzertvorbereitungen, meinen Kummer und Liebeskummer, meine Reisen… meine bis dahin gesamte Lebensgeschichte, inklusive meines Magens, der ab und an dann doch mal die Sinne ausschaltete und einfach ein Zuviel an Kirschen verlangte.

Mit dem ganzen Körper im Gras liegend, oder auf einem warmen Fels sitzend, an den Baum gelehnt oder im Rotbach hockend, nahm ich das Körpergefühl im Zusammenhang mit allem war. Der Wind und das Wasser verrieten viel über das Wetter und das Verhalten der Vögel und Insekten, die die Luft und Erde in Schwingung versetzen, welche dann wieder langsam über die Haut wahrzunehmen war. 

Meine fünf Sinne waren die Botschafter und Lehrer für die Intuition, die den Weg über das Herz und die Emotion nahm, um in der Dachstube zur vervollständigten Information verarbeitet zu werden. Unsere fünf Sinne bewusst einzusetzen, ein von (vor allem Natur-) Kindern perfekt beherrschtes System, ist das Verstehen des Lebens in seiner genialen Ganzheit.

Mit den Jahren schärften sich meine Sinne. Ich begann von innen nach aussen und von außen nach innen zu schauen. Der Zusammenschluss aller „sicht-und fühlbaren“ Sinne gab mir neue unsichtbare Sinne. Ich fühlte manches voraus, konnte die Zeit, den Lauf der Dinge, spüren. 

Ohne eine Erklärung zu haben, erspürte ich Gefahren, linkische ungünstig handelnde Menschen, aber auch gute Momente. Als Kind und als Jugendliche habe ich schnell erkannt, was morgen kommt. Ich zählte - so dachte ich- 1 und 1 zusammen und sah die Dinge wie sie kommen würden, würde ich ein halbes Jahrhundert hinter mir haben. 

Unsere fünf funktionierenden Sinne bewusst genutzt, formen den sechsten, aber später auch den berühmten siebten Sinn. Wie oben erwähnt, vernetzen sich die Intuition, die sich im unteren Körperteil befindet und in der Kindheit sehr heil und zum Weiterwachsen bereit ist, um über das klug werdende und empfundenen Herz zu gehen und am Ende mit diesen Gaben unsere Gehirnstuben zu interagieren. 

Ist das mal geschafft, richten sich alle Sinne nach aussen. Wir schärfen unsere Antennen und entwickeln den nach aussen gerichteten Sinn, der über den sechsten hinaus bis zum etwas übernatürlich empfundenen siebten Sinn führt.

IV.

Ergeben wir uns allerdings zu sehr der oft sinnentleerten materiellen Welt und dem modernen Alltag, überarbeitet sich das gesamte System. Es folgt der große Knall und die Sicherung fliegt raus.

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Irgendwann mal, ich muss Mitte 20 gewesen sein, verloren sich meine Sinne. Ich lebte in der Stadt, lebte mit der Zeit und dem Lauf der Dinge. Ich wollte alles mitnehmen, erleben, ich wollte besitzen, viel erreichen. Das gelang erst mal nicht, die Geschichte ist zu lang für den Vortrag und Blog. Dann gelang ein Teil, der gelungene Teil in mir wurde mein eigener Erfolgscoach der sich über den materiellen Strang ausrichtete und irgendwann galt ich als Senkrechtstarterin. 

Dieses Leben in der Senkrechte war mit so vielen Extremen, Höhen und Tiefen unterworfen, dass ich dem Spiel irgendwann nicht mehr stand halten wollte. Nach 20 Jahren gesellschaftlichen Stadtlebens und vielen Erfolgen aber auch gefährlichen Niederlagen, nachdem ich das Leid vieler Menschen bis zu ihrem Tode gesehen-, Krisen- und Kriegsländer besucht hatte und dort auch helfend aktiv wurde, crashte mein System.

Ein Systemcrash legt alles lahm, ganz so, wie ein Cyberwar Netzwerke zum erliegen bringen kann. Irgendwann werden die Augen schwächer, manche werden temporär blind oder taub. Die Ohren hören nicht mehr, da der Kreislauf verrückt spielt und das Kraftwerk Körper mit letzter Power versucht, Flüssigkeiten durch blockierte Bahnen zu pumpen. Vorbei an vielzelligen Blockaden, Verklemmungen und Knoten, rauschen die verbliebenden Flüssigkeiten mit letzter Kraft und schwächen nicht nur die innere Kommunikation, die eigentlich genauso perfekt funktioniert wie die natürlichen Wege unserer Natur. Unsere Zellen fangen an zu schreien. Ja, sie schreien wirklich. Sie brüllen um Hilfe… sie toben und kämpfen! 

Man hat festgestellt, dass die Planetenklänge mit den Frequenzen bestimmter Zellregionen verwandt sind, die leise surren und harmonisch schwingen, solange sie in diesem wundervollen Zustand der von mir eben beschriebenen Kindheit unseren Körper am Leben halten. 

Doch im Zustand des Absturzes, schreien unsere Zellen und Organe, das Herz rast unkontrolliert, die Ohren rauschen von innen, sie piepsen und fiepsen, die Augen flackern, die Glieder zucken, wir ringen nach Luft. Der Schlaf ist kurz und unterbrochen, oder lang und doch ermüdend. Der Wachzustand ist schlaff und unkonzentriert und alles klingt laut. Laut im innen, noch lauter im aussen. Die Zellregionen zocken einander verzweifelt ab, die Hormone spielen verrückt, die Aminosäuren schwinden. Systemzusammenbruch. Keine Verbindung mehr. Die Drähte zu Mutter Erde und dem Universum, die Verbindung zu unserer inneren und äusseren Natur sind zerschnitten.

Und nu?

Das ist so richtig beschissen. Viele Menschen erleben den burn out. Ja ausbrennen nennt man das. Und in der Tat hat der Körper dann nicht mehr genug Flüssigkeit und das System steht wie die Regenwälder unserer Erde in Flammen. Die siebzig Prozent Wasser, die wir im Körper haben müssen, die sich deckungsgleich mit dem Wassergehalt von Mutter Erde verhalten, sind nicht intakt. Unsere Körper stecken voller Gifte, negativer Mikrostoffe wie die in unseren unsere Weltmeeren, die Knochen erleiden eine Arthrose gleich dem Ausbleichen der Korallenriffe und das System brennt aus, wie die uns versorgenden, von der Natur intelligent und mühsam konstruierten Waldflächen.

Wir sind das Abbild unserer Umwelt, oder besser- unsere Umwelt ist das Abbild unseres malträtierten Körpers. Die zusammenhängenden und kommunizierenden Sinne wurden abgeschnitten, das Ressourcen schenkende Umfeld wird ausgeschöpft. 

Das nennt man Krankheit. Und diese geschieht im Geist sowie im Körper, da beides, unter einem Dach lebend, voneinander abhängig ist. Körper und Geist sind in Verbindung mit der Alleinheit von Mutter Natur eine Ganzheit, die uns in der Waage hält. Die effektivste Heilerin ist folglich die Natur und wessen System sich verabschiedet hat, tut gut daran den Weg zur wahren Natur zu suchen. In dieser finden wir Antworten, die auf alle Sinne des Lebens eingehen und mit diesen kooperieren.

Foto: MVA

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Das tat ich. Ich toppte mal wieder meinen CO2 Foodprint, nicht ohne meinen Lieblingsverein Greenpeace und Amazonas.org zu beschenken, flog in die wilde Natur Südamerikas. Erst mal weit weg. Weg vom Zugriff der heimischen Ereignisse. Und dort, in den Weiten Goiás, später in Ecuador, in Peru, in den Bergen Afghanistans, auf den Kodiak Islands, den Seen von Myanmar oder den indonesischen Inseln, dockte ich an meine innere Weisheit an. Es wurde alles still. Mein System fuhr runter. Meine Knoten lösten sich, in meinem Körper stellte sich der ruhige Fluss der Dinge ein. Meine Ohren hörten die Stille, die Winde und den Regen, die Grillen, Vögel, Katzen und ja sogar die leisen Schlangen, die sich durch hohes Gras schlängelten und züngelten. Welches Wunderwerk dieses Ohr doch ist. Mit dem Fötus schon recht groß, im Mutterleib wachsend schon voller Weisheit, schliesst es sich erst vollständig und für immer mit dem Tod, während sich das Auge dem Todesschlaf gleich, jede Nacht schliesst, um uns in die innere Welt reisen zu lassen.



Ich arrangierte mich schnell und wurde mir meiner Sinne mehr bewusst denn je. 

Nach dem Sinn des Lebens habe ich zum Glück nicht gesucht. Ich musste meine Sinne fast zerstören um zu begreifen, dass sie das Telefonkabel zur Erde und meinen Satelliten zum Universums bilden. 

Nach der Zerstörung kam der Wiederaufbau. Ich habe die Sinne wieder kennengelernt, bewusst wahrgenommen, angeschaut, habe ihnen zugehört und diese wieder verstehen gelernt! Sie führten mich durch viele tolle Projekte und Ideen und auf einem sehr stringentem Weg zu mir selbst und meinen Tätigkeiten. Genau betrachtet verhielten sie sich die Sinne zwar in einem vielfältigen aber in einem guten Gefüge. Meine Tage bedingten sich. Sie führten von einem Ziel zum anderen und manchmal kam ich wieder gewaltig vom Weg ab. Ich kam mehr vom Weg ab als mancher andere. Ich würde sogar sagen, dass ich bis zum heutigen Tage unendliche Male vom Weg abgekommen, manchmal sogar mies gestolpert oder in tiefe Schluchten gestürzt  bin. Aber was habe ich dann gelernt? Ich habe gelernt meinen sechsten und siebten Sinn zu finden, einzusetzen und - so wusste ich, was sich neben den Zielgeraden, die ja eigentlich nie welche sind, befand. 

Was wirklich wichtig war, war die Erkenntnis während des Sturzes und nach dem Aufprall: Während ich stürzte war es eh schon egal. Als ich aufprallte war es echt zum heulen, aber nach dem großen Zittern wusste ich warum der Sturz passiert war und ich nahm nach einem kurzen Heilprozess einen anderen, besseren und klügeren Weg. 

Manches Mal hatte ich andere mit hinabgerissen. Ich nahm sie wieder mit und bat sie um Verzeihung. Relativ oft versuchten mir vertraute Leute, mich über die Klippen zu bugsieren. Wer den Sturz kennt und schwimmen kann, übersteht auch das. Es ist schwer zu verzeihen, aber auch hier helfen die Sinne. Wer über die Klippe gestossen wird, ist entweder bereit sich stossen zu lassen oder hat ähnliche Absichten. So verbindet sich Absicht mit Absicht und der Plan mit dem Plan.

Künstler Hans Peter Adamski

Künstler Hans Peter Adamski

Und kaum hatte ich verziehen, vor allem mir selbst , befreiten sich die Sinne,und ich konnte weiter gehen.

Ich möchte behaupten, dass es langfristige  und ich schreibe mal- irdische Ziele in nur sehr seltenen Fällen geben kann. Selbst der zielstrebigste Mensch unterliegt dem Lauf der Dinge und einer doch recht fraktalen Zeit. Niemand weiss so genau (ausser jene die wirklich ihre Sinne zusammenarbeiten lassen), was in den nächsten Sekunden passiert. Für uns alle sollte nur das HIER und JETZT gelten. Ich weiss, das ist schwer zu begreifen, und es wird ein Buch füllen (welches nun schon seit längeren Zeit im Werden ist) und ich könnte beschreiben, wie wenig ein langfristig angelegter Plan nützt. Ein guter Plan ist nur dann gut, wenn er höchste Flexibilität besitzt. Es gibt darin einen Ausgangspunkt, den skizzierten Weg zum Ziel, aber die Gangart sollte hoch flexibel sein.

Auf der schönen Götterinsel Bali habe ich in diesen Sommerwochen oft am Rande einer hohen Felskippe gesessen, auf das tobende Mehr geschaut, die fetten schweren Wolken gefühlt und meine Hände in das hohe Gras gekrallt, um nicht vom Wind auf den Strand katapultiert zu werden. Und während ich von der Bürde der letzten drei Jahre freigepustet wurde, tat sich die die Landkarte des vergangenen Lebens vor mir auf. Obwohl gestern und eben noch, jeden Moment aufs Neue vorbei sind, trage ich jede Sekunde dieses Lebens und aller vorherigen Leben in meinem Zellgedächtnis. Von oben betrachtet, bekommt der gute deutsche Organisationssinn einen Infarkt. Meine Wege scheinen kreuz und quer, von Pontius nach Pilates, geführt zu haben. Es ging über Berg und Tal, vorbei an glühenden Vulkanen und inneren Tsunamis. Genau betrachtet bin ich aber einfach durch das Leben und die Welt spaziert, habe mich leiten und wieder abbringen lassen, um nach dem abbringen wieder in die Spur zu kommen. 

Und auf einmal wurde alles ganz leicht und frei. Ich habe verstanden, dass alles passte, alles logisch war, jeder Weg, jede menschliche oder tierische Begegnung, jede Tat, jeder schwere Fehler ein Kunstwerk der Bestimmungen war…

Es stimmt alles, auch wenn es manchmal noch so schwer zu sein scheint. Mein Leben ist mein Katalog der Lehren, eine Lebensschule, ein Nachschlagewerk für das, was ich heute mit voller Überzeugung tue. 

Ich arbeite mit dem Klang des Lebens und dem Klang der Welt und lerne disharmonische Schwingungen in uns wieder zu harmonisieren.

Ich lebe um zu lernen, ich nutze meine Sinne um weiterzukommen, um zu begreifen, dass ich in die Weisheit hineinwachsen darf. 

Manchmal schaue ich in den Spiegel und sehe bewusst wie sehr der Körper sich verändert. Aus einem grünen Apfel wird irgendwann einmal ein von den Lebenswegen gezeichneter Körper, dessen Lebenslinien und Falten die Geschichten der Vergangenheit in sich bergen. Da darf man ruhig hinschauen, hinschauen lassen und verdammt stolz sein. Es kostet in der heutigen Zeit ein wenig Kraft den angeblich welken Zeitzeugen Stand zu halten und diese mitzunehmen. Ich begreife aber, dass würde ich diese Linien und ihren natürlichen Lauf stören, meine Weisheit schwinden würde, die zu erwerben mich doch der ganze harte Weg gekostet hat. 

Ich bin hier auf dieser Erde, damit ich meine Erfahrung anwenden und weitergeben darf. Nichts macht mir mehr Freude. Und ich habe begriffen, das bis ich den letzten Ton im Diesseits hören werde, ich jeden Tag nutzen möchte um zu lernen, zu begreifen, weiterzugeben und- ein Stückweit für diesen wundervollen Planten zu kämpfen.

    V.

Foto & Zitat MVA

Foto & Zitat MVA

Das Wort SINN stammt aus der Indogermanischen Sprache: SENT. Na? Tickt es? Wir haben es hier mit der großen Bewegung des Lebens zu tun. Es geht darum zu gehen,  zu rennen, zu steigen, zu klettern, es geht darum zu schwimmen, hinabzutauchen, um wieder aufzutauchen, es geht um das Kreisen der Sufis, das schweben der Gurus, das treiben der Geister, die Erfahrung des Geistes, die Schwingungen des Lebens und des Seins. Ich bewege mich und spüre den folgenden Stillstand. Ich verharre still und nehme die folgende Bewegung wahr. 

Selbst in der althochdeutschen Sprache ging es um nichts anderes als SINNAN. Heisst auch nichts anderes, als zu reisen und sich nach vorne zu bewegen.

Der Sinn des Lebens ist folglich sehr beweglich. Der Sinn steckt nirgendwo fest, er ist nicht versteckt und muss nicht gesucht werden. Der Sinn will, dass wir unsere Sinne benutzen, um diese mit allem zu verbinden. Sie wurden uns geschenkt, um die Welt, die Natur, das Leben und die Lebendigkeit zu verstehen. Wir verfügen über soviel Sinn, über eine so enorme Maschinerie von Sinnen und Sinnwerkzeugen, dass einem schon fast wieder das Hören und Sehen vergehen könnte. 

Wir laufen vom ersten Tag unseres irdischen Daseins mit dem Sinn herum, welchen wir für das große Spiel des irdischen Lebens brauchen. Wir dürfen reisen, wir dürfen uns bewegen, wir müssen uns verändern.Wir besitzen den Sinn. Wir sind der Sinn. Und wir erwerben wieder wertvolle Sinne, deren Größe unendlich expandieren kann. 

Da sind wir alle gleich, auch wenn das jetzt nicht so passt. 

Unsere wunderbaren Sinne könnten im Gleich- oder Zusammenklang mit unseren Mitmenschen, mit den Geschenken der Natur und unseres Lebens, im unendlichen universellen Raum agieren. Die klassischen fünf Sinne dienen der Wahrnehmung und diese  wiederum dient der Bewusstheit. Bewusstheit bildet die spirituellen Sinne aus, fördert das Verstehen der Ganzheit, fördert das Verstehen des gemeinschaftlichen Lebens aller Lebewesen auf dem Planeten.

Den großen Sinn dafür besitzen wir. 

Nur das Wissen darum - ist eingeschlafen.

Michéle Victor Adamski, Juli-September 2019

(Die im Blog angesprochenen Themen werden zur Zeitin einem kleinen Buch zusammengefasst. Der Blog ergänzt meine Vorträge und die zur Zeit entsenden Veröffentlichungen.)